Wo das Grundwasser in den Himmel guckt

Zum größten Teil sei Brandenburgs Wassermisere dem Klimawandel geschuldet, eigene Stellschrauben haben wir kaum noch. Was der Hydrologe Gunnar Lischeid über den Zustand des Brandenburger Wassers zu sagen hatte, klingt ernüchternd. Professor Lischeid forscht und lehrt am ZALF in Müncheberg und an der Uni Potsdam als Hydrologe. „Seit 30, 40 Jahren haben wir einen Rückgang des tiefen Grundwassers“, sagte der Wissenschaftler im Online-Filmgespräch zur Ökofilmtour im Ökospeicher Wulkow. „Dieses tiefe Grundwasser ist das Rückgrat unseres Landschaftswasserhaushalts. Es speist unsere Flüsse und Seen. Dieses Rückgrat funktioniert nicht mehr richtig.“ Selbst wenn wir ein paar Jahre „normales Wetter“ bekämen – die Situation werde sich weiter verschärfen. Und die Effekte potenzieren sich. Steigende Wasserentnahme, verschwindendes Grundwasser, die Dürren der letzten Jahre. „Wenn das alles nur an der Beregnung von Golfplätzen läge, dann hätten wir einen Schuldigen und alles wäre ganz einfach.“ Ist es aber nicht. Damit sprach Gunnar Lischeid eine Situation an, die in der RBB-Doku „Auf dem Trockenen“ eine zentrale Rolle spielt: Der ständige Rückgang des Seddiner Sees. Der Fischer dort fängt kaum noch etwas, als Badesee wird der Seddiner See immer unattraktiver – auf der anderen Seite werden enorme Mengen zur Beregnung eines Golfplatzes entnommen.  Für Nico Schmolke, einen der beiden Filmautoren, war der Seddiner See ein sehr geeignetes Beispiel, um die Probleme über die verschiedenen Nutzungsinteressen deutlich zu machen. Denn vielen Menschen, hat Schmolke in seiner Recherche erlebt, sei die Dramatik der Situation gar nicht klar. Seddin ist absolut kein Einzelfall, ergänzte Gunnar Lischeid und wies auf die starken Wasserrückgänge im Straussee hin. „Durch die Seen guckt das Grundwasser…

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Ein Plädoyer für Unordung

Ökofilmtour-Gespräch mit Melanie von Orlow über "Rettet die Insekten" Der Film „Rettet die Insekten“ von Jan Haft war „optisch wieder mal ein Highlight, hochgradig professionell“, freute sich Melanie von Orlow im Online-Filmgespräch. Die promovierte NABU-Insektenspezialistin outete sich als großer Fan des Naturfilmers, der schon mehrfach den Publikumspreis der Ökofilmtour gewonnen hatte. Der Film zeige eine große Vielfalt der heimischen Insektenwelt.  Darunter so erstaunliche Wesen wie die Schornsteinwespen, die zu ihren Nestern lange, nach außen gestülpten Röhren bauen. „Diese Wespen gibt’s auch hier, sogar in Berlin“, erklärte Melanie von Orlow. Das Einzige, was sie an dem Film kritisierte: „Ja, wie rettet man sie denn, die Insekten? Der praktische Teil kam mir etwas zu kurz.“ Dazu allerdings hatte Melanie von Orlow in der Filmdiskussion des Ökospeicher-Vereins einiges zu sagen, zumindest für ihr Fachgebiet, die Hummeln, Bienen, Wespen und Hornissen, „also alles was sticht und fliegt“. Von Orlow leitet in Berlin den Hymenopteren-Dienst, der vor allem Hausbesitzer und Bauherren im Umgang mit den Tieren berät. Was das Artensterben betrifft, kann Melanie von Orlow für ihr Fachgebiet sagen, dass es der Streusandbüchse Brandenburg noch vergleichsweise gut gehe. Es gebe dennoch Arten, die schon verschwunden oder selten geworden sind. Es seien die hochgradig spezialisierte Bienenarten, die besonders in Gefahr sind. Zum Beispiel die Zaunrüben-Sandbiene, die nur den Pollen der männlichen Pflanze der Zaunrübe braucht. Eine andere nutzt die Blätter des Klatschmohns, um daraus kleine oberflächliche Nester im Boden zu machen. Die komme nur noch in wenigen Gebieten an der Oder vor. Das Verschwinden dieser Bienen sei nicht nur ein Effekt des Klimawandels. „Und wenn…

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